Lederherstellung

Aus der Rohhaut wird erst dank der Gerbung haltbares, zähes, und doch geschmeidiges Leder… ein weiter Weg! Vor der Gerbung werden viele Häute horizontal in zwei Teile gespalten. Narbenleder – der obere Teil der Haut – besteht aus einem dichten Flechtwerk feiner Fasern; es zeigt die natürliche Struktur der Hautoberfläche. Spaltleder ist der untere Teil der Haut, der dem Tierkörper zugewandte Teil.

In der Wasserwerkstatt der Gerberei werden zuerst Schmutz, Blut und Fett entfernt und die Haare durch Äschern aus der Haut gelöst. Danach beginnt der eigentliche Gerbprozeß: Die Häute werden in rotierenden Walkfässern mit pflanzlichen, synthetischen oder mineralischen Stoffen oder Fetten durchdrungen.

Weitere Stationen:

Eine besondere Veredelung stellt die aufwendige handwerkliche Sämischgerbung dar. Die Häute kommen nach dem Säubern in große, mit Dorschtran gefüllte Fässer, wo schwere Walkhammer stundenlang schlagen, um den Fischtran optimal in die Häute einzumassieren. Diese durchgefetteten Häute werden aus den Fässern genommen, in Form gezogen und an die frische Luft zum Entwässern gehängt. Der Sauerstoff bewirkt eine Oxydation des Trans; er wird ranzig (dies ist mit strengen Gerüchen verbunden) und bekommt dadurch seine gerbende Wirkung.

Nach einigen Wochen Gerbvorgang wird das steife, nach Fisch riechende Leder in warmem Sodawasser ausgewaschen. Angenehm weiches, mattgelbes Leder ist das Ergebnis dieses Verfahrens.
Sämischgerbung wird meist nur bei Hirschleder angewandt, da diese Lederart im Vergleich zu anderen sehr knapp und darum entsprechend exclusiv ist.

Die natürlichen Farben werden von den Gerbmitteln bestimmt: Hellbraun, Weiß, Blaugrün, Gelb. Das einseitige Färben des Leders mit pflanzlichen Farben ist somit ein notwendiges Ritual, um die natürliche Farbpalette zu erweitern.

Pigmentfarben ermöglichen eine gleichmäßige Färbung. Sie werden aufgesprüht, geben dem Leder ein einheitliche Färbung und machen es unempfindlicher.
Das Tauchen in Anilinfarben färbt transparent und erhält dem Leder seine natürliche Oberfläche, sein urwüchsiges Aussehen. Die unregelmäßige Struktur der Haut bleibt erkennbar. Anilinleder läßt sich am besten mit gebeiztem Holz vergleichen.

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